Rostock

Jüdische Analysen des Antisemitismus
07. November 2017 | 19:00 Uhr | Raum 018, Hauptgebäude Universität Rostock, Universitätsplatz 1
Referent: Jobst Paul, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung

Antisemitismus und Rassismus mit kritischer Wissenschaft etwas entgegenzusetzen, das war eine Motivation für die Gründung des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) vor 30 Jahren. Doch viele Jahrzehnte ‚Bekämpfung des Antisemitismus‘ haben die Gesellschaft nicht grundsätzlich weitergebracht, stellt Sprachwissenschaftler Jobst Paul vom DISS fest. In seiner Forschung fragt er woran das liegt. Dabei wirft Jobst Paul einen Blick auf eine in der Forschung weitgehend verdrängte Perspektive auf Antisemitismus: Jüdische Analysen des Antisemitismus.

Projektion antisemitischer Vorfälle im öffentlichen Raum
09. November 2017 | 18:30 Uhr | Rostock, Kröpeliner Tor

Mehr als 70 Jahre nach dem Nationalsozialismus ist Antisemitismus noch immer in Deutschland anzutreffen. Regelmäßig kommt es zu antisemitischen Vorfällen, körperlichen Angriff auf Jüdinnen und Juden, Schändungen von Gedenkstätten, Schmierereien an jüdischen Einrichtungen, Drohungen im Internet. In Mecklenburg-Vorpommern zählten die Behörden im vergangenen Jahr allein 37 einschlägige Straftaten. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, viele Taten werden der Öffentlichkeit nicht bekannt. Antisemitismus bleibt jedoch ein Skandal und darf nicht zur Normalität werden, in Deutschland oder anderswo. Mit einer Projektion wollen wir deshalb auf antisemitische Vorfälle aufmerksam machen und uns mit den Betroffenen von Angriffen, Schmähungen und Hetze solidarisch zeigen.

Antisemitismus im Black Metal
09. November 2017 | 20:00 Uhr | Peter Weiss Haus Rostock, Doberaner Str. 21
Referent: Niels Penke, Universität Siegen

Dass antisemitische Bilder und Argumentationsstrategien im Black Metal weit verbreitet sind, wird nicht nur bei Varg Vikernes oder unverhohlen als NSBM auftretenden Bands offenkundig. Ob in der Idealisierung der ‚germanischen Ahnen’, einer selektiv verfahrenden Religionskritik oder in Verschwörungstheorien, die Aspekte der Kulturgeschichte oder globale Machtverhältnisse zu erklären versuchen – in vielfältiger Form geistern Bausteine des modernen Antisemitismus durch Lyrics, Coverdarstellungen und Interviews von Black Metal-Bands und -Musiker/innen.
Der Vortrag möchte die Anschlussfähigkeit des Antisemitismus als ‚negativer Leitidee der Moderne’ im Black Metal erörtern und anhand zentraler Beispiele seine Funktion diskutieren.

Niels Penke ist ein Literatur- und Kulturwissenschaftler an der Universität Siegen, studierte Germanistik, Skandinavistik und Philosophie, beschäftigt sich u.a. mit der Neuen Rechten, Metal und anderen Phänomenen der Populärkultur.

Die Veranstaltung eröffnet das Subset Fest im Peter Weiss Haus.

Linker Antisemitismus
14. November 2017 | 19:00 Uhr | Café Median Rostock, Niklotstraße 5/6
Referent: Wolfgang Seibert, Jüdische Gemeinde Pinneberg

Wolfgang Seibert, 69, wuchs bei seinen Großeltern auf, und wurde dort durch jüdischen Glauben und anarchistische Literatur geprägt. Über Jahre hat er für verschiedene Formate, unter anderem das Freie-Sender-Kombinat (FSK) in Hamburg und internationale Medien publiziert.
In den 1960 fing Seibert an, sich zu politisieren, war im SDS und der DKP aktiv, bis in den Siebzigern ein Bruch zur parteilichen Linken wegen „bürgerlichem Anarchismus“ passierte. Nach über 30 Jahren wandte er sich wieder der linken Szene zu. Er bezeichnet sich immer noch als militant.
Wolfgang Seibert bezieht besonders gemeinsam mit der Gemeinde immer wieder Stellung, die Gemeinde ist ein offener Ort für alle Menschen, auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen ist ihm wichtig. Es ist wichtig, auf Probleme aufmerksam zu machen, und auch gegen Rechtsradikale Position zu beziehen.
Der Antisemitismus in der Linken zeigt sich für ihn seit den siebzigern immer wieder, oftmals gebunden an undifferenzierte Israelkritik. Auch wenn er selbst nie direkt angefeindet wurde, kam gerade mit der Entstehung der Antiimperialismus-Theorie ein stetiger, unterschwelliger Antisemitismus auf, sodass Seibert als Person immer mit dem Staat Israel in Verbindung gebracht wurde, oder zu „Ihr Juden“ verallgemeinert wurde.
Ein wichtiges Prinzip, welches der jüdische Glaube und die Linke eigentlich gleich haben nimmt Seibert immer wieder auf: lebenslanges Lernen und In-Frage-Stellen.
Seit 2003 ist er Vorstand der Jüdischen Gemeinde Pinneberg.

Antisemitismus im Reichsbürgermilieu
16. November 2017 | 19:00 Uhr | Peter Weiss Haus Rostock, Doberaner Str. 21
Referent: Jan Rathje, Amadeu Antonio Stiftung

Nicht erst seit dem Polizistenmord von Georgensgmünd aus dem Jahr 2016 beschäftigen Menschen aus dem Milieu der „Reichsbürger“, „Selbstverwalter“ und „Souveränisten“ Behörden und Verwaltungen. Zunehmend wird einer breiten Öffentlichkeit deutlich, welche Gefahren von diesem bisweilen als „Spinner“ verharmlosten Milieu ausgehen. Kern der Vorstellungswelt dieser Menschen ist der Mythos einer Weltverschwörung gegen die Deutschen, als dessen Ausdruck unter anderen („Lügenpresse“, George Soros) die Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen wird.
Der Vortrag gibt Auskunft über die Ursprünge dieses uneinheitlichen Milieus, seiner Ideologie und Handlungsformen sowie Handlungsoptionen für zivilgesellschaftliche Gegenwehr.