Schwerin

Film über und Gespräch mit: Rabbi Wolff
07. November 2017 | 18:00 Uhr | Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4

William Wolff ist Ende 80 und der wohl ungewöhnlichste Rabbiner der Welt.
Der kleine Mann mit Hut wurde in Berlin geboren, hat einen britischen Pass und wohnt in einem Häuschen in der Nähe von London. Immer Mitte der Woche fliegt er nach Hamburg, steigt dort in den Zug und pendelt zu seinen Jüdischen Gemeinden nach Schwerin und Rostock. Samstags nach dem Gottesdienst geht es zurück nach London – es sei denn, er ist bei Verwandten in Jerusalem, auf Fastenkur in Bad Pyrmont oder beim Pferderennen in Ascot. Denn das Leben muss vor allem Spaß machen, findet Willy Wolff.
Mit seiner unkonventionellen Art und seinem herzhaften Lachen begeisterte der Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern die Zuschauer bereits in Britta Wauers Publikumshit Im Himmel, unter der Erde (2011), einem Dokumentarfilm über den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee. Wauers neuer Film zeigt nun den turbulenten Alltag von Willy Wolff und beleuchtet seine bewegte Vergangenheit: Bevor er Rabbiner wurde, war er politischer Korrespondent in London; als Kind floh er mit seiner Familie aus Nazideutschland.
Rabbi Wolff ist nicht nur das Porträt einer faszinierenden Persönlichkeit – eines tief religiösen Menschen, der sich voller Lebensfreude über Konventionen hinwegsetzt. Der Film führt auch auf mitreißende Weise in die Welt des Judentums ein und präsentiert uns einen ganz besonderen deutschen Lebenslauf.
Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit mit dem Rabbi ins Gespräch zu kommen.

Mittelalterlicher Antijudaismus in Mecklenburg
12. November 2017 | 18:00 Uhr | Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4

Antijudaismus war im europäischen Mittelalter teilweise in weiten Teilen der Gesellschaft etabliert und fand über die Jahrhunderte traurige Höhepunkte: Es kam zur Ermordung, Hinrichtungen und Vertreibungen jüdischer Menschen im deutschsprachigen Raum. Die Vorwürfe glichen sich oftmals oder folgtem gar einem stereotypen Muster. Neben Ritualmord- und Brunnenvergiftungsanschuldigungen wurden jüdische Menschen seit dem 13. Jahrhundert immer wiedes des Hostienfrevels bezichtigt. Im Zentrum dieses Vortrags stehen angebliche Hostienfrevel im mittelalterlichen Mecklenburg, besonders der Hostienschändungsprozess 1492 in Sternberg, der als folgenschwerster Judenpogrom des Mittelalters in der Region zählt. 25 Juden und 2 Jüdinnen wurden im Oktober 1492 auf dem sogenannten Judenberg in Sternberg auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Antisemitismus im Nahen Osten
16. November 2017 | 19:00 Uhr | Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4

Ob religiöse Schmähungen, Weltverschwörungstheorien oder hetzerische Israelfeindschaft – Antisemitismus ist aus den politischen Debatten im Nahen Osten nicht wegzudenken. Er ist nicht nur in arabischen Ländern, im Iran ebenso wie in der Türkei anzutreffen, sondern auch über politische Grenzen hinweg bei Islamisten wie Säkularen. Der Vortrag will der Bedeutung des Antisemitismus beispielhaft im Iran und in den palästinensischen Gebieten nachgehen. Dabei soll diskutiert werden, dass das Ressentiment nicht vorrangig Begleiterscheinung der Konfrontation mit Israel ist. Stattdessen muss es aus der politischen und sozialen Verfasstheit der Gesellschaften des Nahen Ostens erklärt werden.

Antisemitische Verschwörungsmythen
19. November 2017 | 18:00 Uhr | Komplex Schwerin, Pfaffenstraße 4
Referent: Florian Eisheuer, Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)

„Everyone Loves a Conspiracy“ – Ideologie zwischen Wahn, Welterklärung und politischer Gefahr

Von modernen Klassikern wie „9/11 was an Inside Job!“ über die Vorstellung, eine globale Elite versuche mittels sogenannter „Chemtrails“ die Weltbevölkerung zu kontrollieren, bis hin zur These, wir würden eigentlich von Reptilienwesen beherrscht: Im verschwörungsideologischen Milieu gibt es nichts, was es nicht gibt. Doch was teilweise wie ein Kuriositätenkabinett erscheint, das getrost verlacht und dann ignoriert werden kann, hat einen durchaus problematischen Kern. Was macht solche Erzählungen so attraktiv und welche individual- und sozialpsychologischen Bedürfnisse werden hier bedient? Warum geht von dieser Ideologie eine politische Gefahr aus und welche Aspekte einer solchen Weltsicht lassen sich beispielsweise auch in der AfD und ihrem Umfeld beobachten?