Greifswald

Ernst Moritz war & ist nicht allein. Antisemitismus gestern & heute.
10. November 2017 | 20:00 Uhr | Koeppenhaus Greifswald, Bahnhofstraße 4-5
Referent: Dr. Matthias Heyl, Leiter der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

In einer Collage älterer und gegenwärtiger den Antisemitismus analysierender und antisemitischer Texte versucht der Historiker und Erziehungswissenschaftler Matthias Heyl, das komplexe Phänomen des Antisemitismus – vor, während und nach Auschwitz – seinerseits erneut zu analysieren. Er ruft eigentlich schon hinlänglich benanntes, immer wieder abgedrängtes Wissen über Strukturen, Motive und Strategien des Antisemitismus und der Antisemiten auf, um noch einmal neu über Perspektiven in der Auseinandersetzung mit einem altbekannten und gegenwärtigen gesellschaftlichen Skandalon nachzudenken. Eine Kernthese: die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus muss mit der Auseinandersetzung mit den Antisemiten beginnen. Ihn widerlegen zu wollen sei so dumm, wie vergebens. Es gehe darum, die Antisemiten in den Blick zu nehmen. Es brauche auch hier die ›Wendung auf das Subjekt‹.

Matthias Heyl, 1965 in Hamburg geboren. Studium der Geschichte, Psychologie und Erziehungswissenschaft und Promotion mit einer vergleichenden Studie zur »Erziehung nach Auschwitz« in Deutschland, den Niederlanden, Israel und den USA. Verfasser von Büchern und Essays zum pädagogischen Umgang mit der Geschichte des Holocaust. Von 1998 bis 2002 Leiter der Forschungs- und Arbeitsstelle »Erziehung nach/über Auschwitz« in Hamburg, seit 2002 Leiter der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Linker Antisemitismus
13. November 2017 | 19:00 Uhr | IkuWo Greifswald, Goehtestraße 1
Referent: Wolfgang Seibert, Jüdische Gemeinde Pinneberg

Wolfgang Seibert, 69, wuchs bei seinen Großeltern auf, und wurde dort durch jüdischen Glauben und anarchistische Literatur geprägt. Über Jahre hat er für verschiedene Formate, unter anderem das Freie-Sender-Kombinat (FSK) in Hamburg und internationale Medien publiziert.
In den 1960 fing Seibert an, sich zu politisieren, war im SDS und der DKP aktiv, bis in den Siebzigern ein Bruch zur parteilichen Linken wegen „bürgerlichem Anarchismus“ passierte. Nach über 30 Jahren wandte er sich wieder der linken Szene zu. Er bezeichnet sich immer noch als militant.
Wolfgang Seibert bezieht besonders gemeinsam mit der Gemeinde immer wieder Stellung, die Gemeinde ist ein offener Ort für alle Menschen, auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen ist ihm wichtig. Es ist wichtig, auf Probleme aufmerksam zu machen, und auch gegen Rechtsradikale Position zu beziehen.
Der Antisemitismus in der Linken zeigt sich für ihn seit den siebzigern immer wieder, oftmals gebunden an undifferenzierte Israelkritik. Auch wenn er selbst nie direkt angefeindet wurde, kam gerade mit der Entstehung der Antiimperialismus-Theorie ein stetiger, unterschwelliger Antisemitismus auf, sodass Seibert als Person immer mit dem Staat Israel in Verbindung gebracht wurde, oder zu „Ihr Juden“ verallgemeinert wurde.
Ein wichtiges Prinzip, welches der jüdische Glaube und die Linke eigentlich gleich haben nimmt Seibert immer wieder auf: lebenslanges Lernen und In-Frage-Stellen.
Seit 2003 ist er Vorstand der Jüdischen Gemeinde Pinneberg.

Antisemitische Verschwörungsmythen
18. November 2017 | 19:00 Uhr | Gemeinderaum, Domstraße 13
Referent: Florian Eisheuer, Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)

„Everyone Loves a Conspiracy“ – Ideologie zwischen Wahn, Welterklärung und politischer Gefahr

Von modernen Klassikern wie „9/11 was an Inside Job!“ über die Vorstellung, eine globale Elite versuche mittels sogenannter „Chemtrails“ die Weltbevölkerung zu kontrollieren, bis hin zur These, wir würden eigentlich von Reptilienwesen beherrscht: Im verschwörungsideologischen Milieu gibt es nichts, was es nicht gibt. Doch was teilweise wie ein Kuriositätenkabinett erscheint, das getrost verlacht und dann ignoriert werden kann, hat einen durchaus problematischen Kern. Was macht solche Erzählungen so attraktiv und welche individual- und sozialpsychologischen Bedürfnisse werden hier bedient? Warum geht von dieser Ideologie eine politische Gefahr aus und welche Aspekte einer solchen Weltsicht lassen sich beispielsweise auch in der AfD und ihrem Umfeld beobachten?